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Freitag, 13.Januar 2012 - 11:31 Uhr | Kategorie Regionales

Hafen Norddeich: Enger Zeitplan für Bauplan-Änderung

Blick_von_der_hafeneinfahrt

Titelbild: Dong Energy möchte am Hafen Norddeich ihre „Betriebsführungszentrale Deutsche Bucht“ bauen. So könnte sich das Gebäude für Norderney-Gäste darstellen. Entwurf: Dong Energy

(bad) – Das dänische Energieunternehmen Dong Energy erwägt, am Hafen Norddeich zu investieren. Wenn es nach den Vorstellungen des Unternehmens geht, soll bis Mitte 2013 auf zwei ehemaligen Spülflächen die Betriebsführungszentrale Deutsche Bucht für zwei Offshore-Windparks vor Borkum entstehen. Dafür ist eine Änderung des Bebauungsplans für das Hafengebiet nötig. Ein entsprechender Beschluss wurde durch den Rat der Stadt Norden bereits gefasst.
Die Windparks Riffgrund I und Riffgrund II sollen von Norddeich aus gesteuert und gewartet werden, teilte Dong-Pressesprecherin Iris Franco Fratini auf Anfrage mit. Beide Parks gibt es derzeit noch nicht. Sie sollen ab 2013 rund 37 Kilometer vor Borkum entstehen. Genauer gesagt, ab 2013 wird Riffgrund I mit derzeit 77 geplanten Windenergieanlagen, umgangssprachlich auch Windräder genannt, gebaut werden. In einer Pressemitteilung spricht Dong Energy von bis zu 89 Turbinen. Die Genehmigung des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie für Riffgrund II sei am 30. Dezember letzten Jahres eingetroffen. Ob dieser Windpark aber gebaut werde, und wenn, in welchem Umfang, dazu sei die finale Investitionsentscheidung noch nicht getroffen, sagt Franco Fratini.
Für die Betriebsführungszentrale Deutsche Bucht werde ein Hafenstandort mit entsprechend großer freier Fläche benötigt. Der Hafen Norddeich wäre für das Unternehmen ein bevorzugter Standort, so Franco Fratini. Allerdings seien die ins Auge gefassten ehemaligen Spülfläche noch nicht für eine solche Nutzung vorgesehen. Daher werde eine Änderung des Bebauungsplans nötig.
Da der Baubeginn für Riffgrund I bereits ab Mai 2013 geplant ist und der Bauleiter die Arbeiten bereits aus der neuen Zentrale von Norddeich aus steuern soll, müsse die Baugenehmigung bis Sommer dieses Jahres vorliegen.
Johann Memmen, Leiter des Bauamts Norden, bestätigt den engen Zeitplan. Die Verwaltung habe vom Rat die Vorgabe erhalten, dass der geänderte Bebauungsplan bis zum 30. Juni dieses Jahres rechtskräftig sein müsse. Bis dahin müsse „das ganze Verfahren nach BauGB durchgezogen werden“, sagt Memmen im Hinblick auf die Vorschriften des Baugesetzbuches. Vorgeschrieben sind unter anderem frühzeitige Beteiligung der Bevölkerung und Anhörung der Träger öffentlicher Belange.
Die Einrichtung eines Hubschrauberlandeplatzes etwa müsse noch geklärt werden, erläutert der Bauamtsleiter. Den brauche Dong Energy, wenn Schiffe, aus welchen Gründen auch immer, nicht benutzt werden könnten.
Parallel zum Bauplan-Änderungsverfahren werde bereits der Bauantrag entwickelt. Beides soll gleichzeitig fertig sein.
Wie viel Personal vor Ort eingesetzt werden wird, steht noch nicht fest, stellt Franco Fratini klar.  Das hänge nicht zuletzt davon ab, wie viele Windenergieanlagen von Norddeich aus betreut werden und in welchem Schichtsystem gearbeitet wird.
Auch lokale Anbieter könnten von der Ansiedlung des Energieunternehmens in Norddeich profitieren. Zwar bringe Dong grundsätzlich eigene Schiffe und Personal mit, so Franco Fratini, bei Bedarf greife man aber gerne auf lokale Dienstleister zurück. Da sei es gut, mit der Reederei Norden-Frisia ein Unternehmen in der Nähe zu wissen, das bereits über Erfahrung im Offshore-Bereich verfüge. Gleiches gelte für die eingesetzten Techniker. Dong bilde seine Techniker bevorzugt  selbst aus. Mechaniker und Mechatroniker aus anderen Bereichen würden aber gerne weitergebildet. Es habe sich gezeigt, dass ein Grundverständnis von Mechanik für die Ausbildung zum Techniker vorteilhaft sei.
Bis jetzt existiert wenig mehr von der neuen Betriebsführungszentrale als ein grober Entwurf. Werden die Planungen für Riffgrund I wie verkündet umgesetzt, könnte schon 2014 mit der Stromproduktion für bis zu 330.000 Haushalte begonnen werden, heißt es aus dem Unternehmen.
Dong Energy ist nach eigener Einschätzung Weltmarktführer im Bereich von Offshore-Windparks. Es produziert nach eigenen Angaben bereits Strom aus Windenergie von rund 700 Megawatt Nennleistung. Weitere rund 1.000 Megawatt befinden sich in Großbritannien und Dänemark in der Bauphase. Die geschätzte Investitionssumme für Riffgrund I wird vom Energieunternehmen mit rund 1,25 Milliarden Euro angegeben.

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