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Freitag, 05.Oktober 2012 - 13:33 Uhr | Kategorie Regionales

Für Taschengeld und Gotteslohn

diakonissen

Titelbild: Diakonisssen haben keinen Nachwuchs mehr. Nach 66 Jahren verlassen die Diakonissen des Mutterhauses Kinderheil das Seehospiz. Foto: Kähler

(der) – Die Kapelle im Seehospiz war am vergangenen Sonntag voll besetzt. Viele Ehemalige waren gekommen, um von den drei letzten Schwestern Abschied zu nehmen, die nach einer 66 Jahre dauernden Geschichte in ihr Diakonissen-Mutterhaus nach Bad Harzburg zurückkehren. Entsprechend bewegt waren manche Gesichter. Und noch einmal bot sich den Besuchern des Fest- und Dankgottesdienstes in der Genezarethkapelle ein Bild, das bald der Vergangenheit angehören wird: Eine ganze Reihe von Diakonissen in ihrer Ordenstracht saß in dem kleinen Gotteshaus.

Viel war von Dankbarkeit die Rede und von Abschied. 1946 waren die ersten Schwestern des aus Stettin in den Harz geflohenen evangelischen Ordens nach Norderney gekommen, um das Seehospiz, einst eine Musteranstalt, nach dem Zweiten Weltkrieg wieder in Betrieb zu nehmen. Die ersten Kinder wurden gegen Lieferung von Kohle und Nahrungsmitteln aufgenommen. Zustände, die sich heute kein Mensch mehr vorstellen kann.

Eng mit der Arbeit der Diakonissen verbunden, die einst überall im Seehospiz für ein Taschengeld und Gotteslohn arbeiteten, ist die Entwicklung des Seehospiz‘ zu einer für ihre Zeit deutschlandweit bedeutenden Kinderklinik für Allergien und Asthma. Auch eine Geburtshilfe und eine richtige Kinder-Krankenhausstation hat es bis in die 90er-Jahre im Seehospiz gegeben.

Heute ist das Seehospiz eine moderne Rehabilitationsklinik für Kinder und ihre Eltern und wie Geschäftsführer Karlheinz van Heuvelen einmal sagte: die wirtschaftliche Existenz einer aussterbenden Schwesternschaft.

Die drei letzten Schwestern, die verabschiedet wurden, hatten mit dem Betrieb der Klinik nicht mehr viel zu tun. Schwester Lydia leistete noch den Küsterdienst in der Kapelle, Schwester Gabriele hatte nach der Schließung der hauseigenen Wäscherei noch in der Cafeteria gearbeitet, Schwester Gertrud lebte als Feierabendschwester im Haus.

Bleiben werden noch Schwester Charlotte Krähling, die als Jugend-Psychotherapeutin und Sozialpädagogin in der Klinik arbeitet und Klinikpastor Horst Weinmann. „Das ist der letzte Aufrechte hier“, sagt van Heuvelen über ihn. Vieles, was die Schwestern in der Klinikkapellengemeinde, die auch Freizeiten und Gruppen im Haus betreut, taten, sollen nun Ehrenamtliche übernehmen.

Die Schwestern kehren zurück in das Mutterhaus nach Bad Harzburg. Dort wird von dem Diakonissenorden unter anderem ein Seniorenheim betreut und geleitet.

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