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Mittwoch, 12.Juni 2013 - 13:33 Uhr | Kategorie Regionales

Friedensgebet: „Gewalt soll nicht das letzte Wort haben“

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Titelbild: Ein Foto der Kerzen wurde per E-Mail an die Familie des Opfers gesandt.

Am Ende des Beitrags findet sich die Nummer des „Spendenkontos gegen Gewalt“

Von Dirk Kähler

Als sehr bewegt und bewegend kann das Friedensgebet bezeichnet werden, zu dem die ev. Inselkirche am vergangenen Dienstag eingeladen hatte, um ein Zeichen gegen Gewalt zu setzen.

Wir sind erschrocken, dass solche Gewalt in unseren Straßen Raum findet. Die Gewalt soll aber nicht das letzte Wort haben. Und wir wollen der Familie zeigen, dass sie nicht alleine ist mit ihrem Schicksal“, sagte Pastorin Verena Bernhardt. Hintergrund: Vor knapp zwei Wochen wurde ein 16-Jähriger Insulaner bei einer Auseinandersetzung von vermutlich mehreren Tätern so schwer verletzt, dass er mehrere Tage im künstlichen Koma lag.

Sibylle Hartong, Gemeindereferentin der katholischen Gemeinde St. Ludgerus übernahm und forderte die rund 200 Besucher des Friedensgebetes auf, einander Frieden zu wünschen. „Fangen wir hier und jetzt damit an“, so Hartong.

Die Ansprache hielt der Schulleiter der Kooperativen Gesamtschule Norderney, Jürgen Birnbaum. Ein neuer Wesenszug habe auf der Insel Einzug gehalten. An kleinere Prügeleien habe man sich mittlerweile gewöhnt. Oft spiele Alkohol eine Rolle. Doch diese Form sinnloser Gewalt habe alle schockiert. Bisher habe man gedacht, die Insel sei ein sicherer Ort. Bilder aus Frankfurt oder Berlin schienen weit weg.

Zum Herunterladen: Die gesamte Rede von Jürgen Birnbaum

Es gebe keine Rechtfertigung für dieses Handeln. Kein Mensch habe es verdient, überfallen oder misshandelt zu werden. Birnbaum: „Da ist ein Opfer, das wir alle kennen und das diese Gewalt nicht verdient hat. Kein Mensch hat es verdient, überfallen und misshandelt zu werden. Selbst wenn dieser Mensch dazu neigen sollte, impulsiv zu reagieren, seine Umwelt auch schon einmal zu brüskieren oder selbst gerne mal einen Streit vom Zaun zu brechen. Niemand darf so etwas erfahren. Keine verbale Auseinandersetzung, keine unbedachte Bemerkung darf in einer solchen Weise enden.“

Birnbaum dachte in seiner Ansprache auch an die Täter: „Ich frage mich: wie sie sich jetzt wohl fühlen? Völlig aus der Haut gefahren zu sein! Welche Erfahrungen haben diese Menschen in ihrem bisherigen Leben gemacht? Warum haben sie keine andere Möglichkeit für sich gesehen, als brutal zuzuschlagen und zuzutreten?“

Das Friedensgebet endete mit einem Kerzenritual. Auf den Stufen vor dem Altar wurden von den Teilnehmern Kerzen entzündet. Es dauerte fast eine halbe Stunde, bis alle dran waren. Viele Mitschülerinnen und Mitschüler, Freunde der Familie und des Opfers waren gekommen, aber auch viele Norderneyer, die das Geschehen offensichtlich sehr bewegte, wie man an den Gesichtern unschwer erkennen konnte.

Ein Foto der Kerzen wurde per E-Mail an die Familie des Opfers gesandt.

Spendenkonto eingerichtet

Die Mutter des 16-jährigen Insulaners hat sich inzwischen gemeldet. In einer E-Mail bedankt sie sich für die starke Unterstützung im Namen der ganzen Familie bei allen Norderneyern: „Nur zusammen konnten wir so weit kommen. Danke an alle. Danke für die Gebete und die schönen Worte. Es hat mich aufrecht gehalten. Ich war schon so am Ende.“

Mittlerweile wurde auch ein „Spendenkonto gegen Gewalt“ eingerichtet. Alles, was auf diesem Konto eingezahlt wird, kommt der Familie des Jungen zugute, so der Schulleiter (siehe unten).

Durch den Aufenthalt in Oldenburg, wo der Junge im Krankenhaus liegt, sind den Eltern jetzt schon erhebliche Kosten entstanden. Durch die sich abzeichnende lange Behandlungsdauer werden weitere Kosten entstehen. Der 16-Jährige ist mittlerweile aus dem Koma erwacht.

Spendenkonto gegen Gewalt

Kontonummer: 890 895 69 00
Bankleitzahl: 280 200 50
Oldenburgische Landesbank

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