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Mittwoch, 04.Januar 2017 - 12:10 Uhr | Kategorie Aktuelles, Allgemein, Regionales

Finger und Pfoten weg

Nordsee / (syk) – Jetzt kommt bald wieder die Zeit, in der Spaziergänger an den Norderneyer Stränden Robbenbabys sichten werden. Einige meinen, sie müssten den vermeintlich verwaisten Tieren helfen. Dem ist nicht so. Kegelrobbenjungtiere werden von den Muttertieren oft am Strand abgelegt, während sie selbst auf Nahrungssuche sind. Nach einigen Stunden kehren sie zurück, um die Jungtiere zu säugen. Der Eindruck, dass ein am Strand liegendes Jungtier bedeutet, dass es sich um einen Heuler handelt, der von der Mutter getrennt wurde und auf menschliche Hilfe angewiesen ist, täuscht also oftmals. Es ist bei jedem Jungtier erstmal anzunehmen, dass die Mutter es wieder abholen wird. Dies tut sie jedoch nicht, wenn ihr Junges von Menschen umringt ist – oder womöglich angefasst wurde und nach Mensch riecht.

Die Tiere finden es auch gar nicht schön, wenn ihnen zu nahe gekommen wird, Hunde an ihnen schnuppern oder sie anbellen und sie im Kamera-Blitzlichtgewitter stehen. Robbenbays müssen zudem auch nicht feucht gehalten werden wie das etwa bei Walen notwendig ist. Ein Jungtier am Strand benötigt in erster Linie viel Ruhe.

Ein guter Vergleich sind die Rehe. Auch diese legen ihre Jungtiere ab und gehen auf Nahrungssuche. Wenn Menschen ein Rehkitz finden und es gar anfassen, wird es von der Mutter nicht mehr angenommen und stirbt, wenn es nicht rechtzeitig gefunden wird.

Regeln beachten

Für die Robbenbabys ist das Einhalten einiger Verhaltensregeln überlebenswichtig, deshalb gilt: Hunde an die Leine nehmen, 300 Meter Abstand halten, nicht anfassen und den Fundort verlassen, damit die Mutter Kontakt zum Jungen aufnehmen kann. Das Tier muss nicht bewacht werden. Im Notfall, beispielsweise wenn das Tier offensichtlich verletzt ist, kann der Fund der Seehundstation unter Telefon 04931-973330 gemeldet werden.

Kegelrobbe und Seehund

Kegelrobben bringen ihre Jungen, im Gegensatz zu Seehunden, in den Wintermonaten zwischen November und Januar zur Welt. Das weiße Embryonalfell schützt sie in den ersten Lebenswochen an Land vor Kälte. Hier werden sie auch von der Mutter gesäugt. Die Milch der Kegelrobben ist mit einem Fettgehalt von etwa 55 Prozent fast doppelt so reichhaltig wie Schlagsahne und sorgt dafür, dass sich die Jungen bei ausreichender Versorgung schnell eine isolierende Fettschicht zulegen können. Diese Speckschicht schützt die Jungtiere später im Wasser. Denn nach dem ersten Fellwechsel, etwa vier Wochen nach der Geburt, unternehmen sie die ersten Ausflüge ins Wasser, um Nahrung zu fangen.

Robbenzählung

Beim ersten Zählflug dieser Saison wurden vergangene Woche im niedersächsischen Wattenmeer 447 Kegelrobben gezählt, davon waren 291 ausgewachsene Tiere und 156 Jungtiere. Im Vorjahr waren es 188 ausgewachsene Tiere und 85 Jungtiere. Dies teilt die Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer (NPV) in einer Pressemitteilung mit. Sämtliche Jungtiere wurden im Teilgebiet Osterems (Borkum-Juist) gesichtet, wobei die unbewohnte und vom Menschen ungestörte Kachelotplate die Kegelrobben-Kinderstube schlechthin ist.

In jedem Winterhalbjahr werden die Kegelrobben im niedersächsischen und hamburgischen Wattenmeer aus der Luft gezählt. Vom Beginn der Geburtssaison im November / Dezember bis zum Haarwechsel im April finden mehrere Zählflüge statt, die im Anschluss in der Gesamtschau für alle Wattenmeer-Zählgebiete ausgewertet werden. 2015 wurden im niederländisch-deutsch-dänischen Wattenmeer mehr als 4500 Kegelrobben gezählt.

Foto: Jens Kählert / Nationalparkverwaltung Nds. Wattenmeer

 

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