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Mittwoch, 24.Juni 2015 - 15:40 Uhr | Kategorie Wirtschaft

Dehoga: Der Schuh drückt

(der) – Die zunehmende Bürokratie im Zusammenhang mit dem Mindestlohngesetz macht den Gastronomen und Hoteliers zu schaffen. Dieses Thema beschäftigte gestern die Frühjahrsversammlung des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) auf Norderney. Für die Unternehmen habe sich einiges geändert, so Sascha Nüchter vom Dehoga-Norderney. Dabei stehen die Unternehmen dem Mindestlohn prinzipiell nicht negativ gegenüber, wie mehrfach auf einer Pressekonferenz im Vorfeld betont wurde. Der mit dem Dehoga ausgehandelte Tarifvertrag sehe selbst in der untersten Lohngruppe einen höheren Stundenlohn vor als gesetzlich gefordert.
„Der Schuh drückt bei der Bürokratie“, so Nüchter. Die Bestimmungen zur Aufzeichnungspflicht so einzuhalten, wie vom Gesetzgeber gefordert, sei schwierig.
Auch die Festlegung der maximalen Tagesarbeitszeit von zehn Stunden sei kaum machbar. An gut besuchten Tagen, komme man damit kaum klar. Nüchter: „Der Gast ist da und möchte bedient werden.“ Die Mitarbeiter in der Branche hätten sich für einen Beruf entschieden, von dem sie wussten, dass es punktuell zu Mehrarbeit komme. Dies habe Jahrzehnte lang funktioniert.
Der Vorsitzende des Dehoga Norderney, Hans Vollmer, fügte hinzu, dass die meisten Arbeitnehmer in der Saison gerne viel arbeiten würden, um ihre Zeitkonten aufzufüllen.Mit dabei war gestern auch Hildegard Kuhlen, Geschäftsführerin des Dehoga-Weser-Ems und Ostfriesland. Das Problem bestehe in erster Linie im Zusammenhang mit dem Arbeitszeitgesetz. Das habe es zwar schon seit vielen Jahren gegeben, nur sei es nie kontrolliert worden.
Das sei auch in den meisten Branchen so geblieben. Jetzt werde jedoch ein Fokus auf die Gastronomie gelegt, wo eine strikte Einteilung wie in anderen Branchen nicht möglich sei. Gastronomie sei immer Stoßgeschäft.
Nach Ansicht des Dehoga müsse es möglich bleiben, dass Arbeitnehmer und Arbeitgeber miteinander Vereinbarungen treffen, wie die Arbeitszeit zu gestalten sei. Ein Problem der Bestimmungen sei, dass nur ein begrenzter Teil der Arbeitszeit auf dem Arbeitszeitkonto gehortet werden dürfe. Gerade auf den Inseln sei dies lange Praxis gewesen. Die Regelung könne nun dazu führen, dass aus unbefristeten Arbeitsverhältnissen wieder befristete werden. Dies sei weder im Sinne der Arbeitnehmer noch der Arbeitgeber und konterkariere die Bemühungen, Mitarbeiter nach der Saison nicht Stempeln zu schicken.
Nach Kuhlens Ansicht werde durch die verschärfte Beobachtung die Branche stigmatisiert. Es habe sonst niemand zu ertragen, dass der Zoll in Uniform und bewaffnet unangemeldet und zu jeder Tages- oder Nachtzeit im Geschäft auftauche, wie dies bereits im Bereich Weser-Ems geschehen sei.
Selbst Ehepartner, die im Betrieb mitarbeiten, würden der Aufzeichnungspflicht unterliegen. Dies entspreche nicht den Lebenswirklichkeiten in den meist familiär geführten Mitgliedsbetrieben, so Kuhlen.
Schwierig sei auch die geforderte minutengenaue Aufzeichnung. Viele Unternehmer seien geradezu verängstigt, ob sie denn auch alles korrekt handhaben würden. Ein Betrieb bei Göttingen habe bereits ein Bußgeld von rund 5.000 Euro verhängt bekommen, weil er gegen die Aufzeichnungspflichten verstoßen haben soll.
Es werde häufig die Meinung vertreten, so Hildegard Kuhlen, dass es gut sei, dass der Hotel- und Gaststättenbereich mal richtig kontrolliert werde. Die Branche sei aber nicht vergleichbar mit Industrie und Handel.
In der Regel würden die Chefs und die Mitarbeiter sich gut kennen. Die überwiegende Mehrzahl der Betriebe sei klein. Da verstehe es sich von selbst, sich gut zu verstehen. Neue Mitarbeiter in diesen Branchen zu gewinnen sei deutlich schwieriger als neue Gäste.

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