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Freitag, 05.Oktober 2012 - 13:49 Uhr | Kategorie Regionales

Chirurgie des Krankenhauses Norderney schließt

Norderney – Die Verhandlungen mit den Krankenkassen sind so gut wie abgeschlossen. Ergebnis: die Chirurgische Abteilung sei der größte Kostenfaktor und soll nach dem Willen der Kassen geschlossen werden. Dieses Ergebnis stellte Bürgermeister Frank Ulrichs in der Ratssitzung am Mittwochabend vor. Er fände es „ganz toll“, dass immer er solche Nachrichten der Öffentlichkeit überbringen dürfe, kommentierte Ulrichs trocken seine Berichtspflichten.

Die Kassen stünden zwar grundsätzlich zu einem Erhalt des Norderneyer Krankenhauses, erwarteten allerdings, dass die Defizite des Hauses verringert würden. In diesem Jahr liege das Minus bei rund 800.000 Euro. Die Kassen hätten signalisiert, dass sie davon rund 500.000 Euro tragen wollten. Gleiches gelte auch für das nächste Jahr, so Ulrichs.
Diese Zusagen stünden allerdings unter strikten Voraussetzungen. Die Kassen erwarteten, dass die Chirurgie durch eine ambulante Notfallversorgung im Rahmen eines Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) ersetzt wird.

Man sei sich bei den Kassen darüber im Klaren, dass dadurch vermehrt chirurgische Patienten auf dem Festland versorgt werden müssten, so Ulrichs, sehe darin aber die einzige Perspektive für das Krankenhaus, langfristig zu überleben. Im letzten Jahr habe es aus Sicht der Krankenkassen keine signifikanten stationären chirurgischen Aufnahmen in der Nacht oder am Wochenende gegeben. Die internistische Abteilung mit 13 Betten werde hingegen nicht kritisch gesehen.
Sowohl die Geschäftsführung des Krankenhauses als auch er selbst hätten versucht, die-
se Vorgaben als unpraktikabel und finanziell nicht hilfreich zu widerlegen, insbesondere natürlich vor dem Hintergrund der Insellage, erläuterte Ulrichs. Diese habe man auf Seiten der Krankenkassen aber bereits berücksichtigt, „sonst sähe es wahrscheinlich noch anders aus“. Immerhin werde die Umsetzung dieser Vorgabe davon abhängig gemacht, dass sie zweckmäßig, wirtschaftlich und sinnvoll sein müsse. Die Geschäftsführung des Krankenhauses sei damit befasst, diese Möglichkeit im Detail zu prüfen und zu bewerten.

„Über die Abdeckung des restlichen Liquiditätsbedarfs werden wir uns als Kommune in den nächsten Wochen konkret Gedanken machen“, sagte der Bürgermeister. Es bestehe eine grundsätzliche politische Bereitschaft, das Krankenhaus finanziell zu unterstützen, das habe die Stadt immer zum Ausdruck gebracht. Die Haushaltslage begrenze diese Absicht aber nach oben sehr deutlich. Eine eventuelle Entscheidung über eine Grundstücksübernahme stehe in diesem Zusammenhang noch aus.
Wenigstens bis Ende 2013 sei vorerst Handlungsspielraum geschaffen worden.

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