Nomo Online News

Freitag, 19.Juli 2013 - 10:20 Uhr | Kategorie Politik

„Champions League der Naturlandschaften“

Folie 1

Titelbild: Zeichnung von der Lage des geplanten Nationaalpark-Erlebniszentrums. Quelle: Architekten Prof. Moth

(war) – Auf sehr großes Interesse stieß am Dienstagabend die Informationsveranstaltung zum geplanten Nationalpark-Erlebniszentrum (NEZ) im „Haus der Insel“. Über 120 Einwohner hörten sich die Ausführungen der Stadtverwaltung (Bürgermeister und Fachbereich III Bauen und Umwelt), des Architekten Professor Holger Moths aus Hamburg und des Leiters des jetzigen Nationalpark-Hauses, Jürgen Rahmel an. Es wurde die Planung des Gebäudes am Hafen vorgestellt. Dies geschah im Rahmen einer sogenannten „Frühzeitigen Bürgerbeteiligung“. Anschließend hatten die Bürger Gelegenheit zu Kritik, Lob und Anregungen.

Keine Glasfassade
Wie Prof. Moths erläuterte, soll die Außenfassade auffällig und „zu Norderney passend“ gestaltet werden. Hier entbrannte zwischen den Planern und einigen Norderneyern eine Diskussion darüber, was für Norderney denn als passend gelte. Die kubische Form fand bei Mehreren keinen rechten Anklang.

Der Begriff „Schuhkarton-Architektur“ kam aus dem Publikum. Eine runde Form würde hingegen den Kostenrahmen sprengen, so die Planer, und eine Glasfassade sei tödlich für die Vögel, von denen nachgewiesenermaßen viele ihre Brutgebiete in der näheren Umgebung des Hafens hätten.

„Ich habe keine Lust, jeden Morgen die toten Vögel rund um das Haus einzusammeln“, so Jürgen Rahmel wörtlich. Der geplante Bau liegt in einem „FFH“-Gebiet. Die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie, kurz FFH-Richtlinie oder Habitatrichtlinie, ist eine Naturschutz-Richtlinie der Europäischen Union.

Im Großen und Ganzen wurde das Aussehen des dreigeschossigen NEZ’s vom Publikum wohlwollend aufgenommen. Einige Besucher kritisierten die „Schuhkarton“-Architektur des Hauses. Viele trugen mit Ideen zu einer Verbesserung des geplanten Aussehens der Fassade bei.

Pailletten wehen im Wind
Es habe von dem Hamburger Büro mehrere Studien darüber gegeben, welche Materialien und Farben hierfür verwendet werden können, führte Prof. Moths weiter aus. Die Planer einigten sich auf Holz, das in der Fassade untergebracht wird und auf Pailletten, die sich im fast stets vorhandenen Wind bewegen und die Außenansicht dynamisch veränderten. Kupfer sei eine weitere Option.

Modellfoto des jüngsten Entwurfs zum Nationalpark-Erlebnis-Zentrum. Quelle: Architekten Prof. Moth

Modellfoto des jüngsten Entwurfs zum Nationalpark-Erlebnis-Zentrum. Quelle: Architekten Prof. Moth

Aussichtsplattform
Das Nationalpark-Erlebniszentrum solle den Status des Wattenmeeres attraktiv präsentieren, erklärte Jürgen Rahmel das Konzept des Gebäudes. Es solle über die Bedeutung und den Wandel der Artenvielfalt des Wattenmeeres informiert werden sowie die nachhaltige Nutzung im Küstenraum dargelegt werden. „Wir müssen eine Brücke zwischen Freizeitunterhaltung und verantwortungsvollem Naturgenuss schaffen“, betonte Rahmel.
Zudem müsse eine Einrichtung geschaffen werden, die sich hinsichtlich Personal- und Betriebskosten nachhaltig selbst trage.

Das Gebäude wird vollkommen barrierefrei gestaltet. Ein Aufzug bringt die Besucher bis zum Dachgeschoss, auf dem es eine Aussichtsplattform geben wird. Die Höhe des Hauses wird unter 13,60 Meter sein.

Wahrnehmbarkeit
Die am Hafen eintreffenden Gäste sollen mit einem auffälligen Nationalpark-Erlebniszentrum gleich am Hafen ein „Tor zu Norderney“ und ein „Tor zum Nationalpark“ vorfinden. Das NEZ solle gleich deutlich wahrgenommen werden. Der Gast müsse dazu verleitet werden, während seines Aufenthaltes auf Norderney zum Hafen zurückzukommen, um ins NEZ zu gehen, so die Gedanken der Planer.

Drei Geschosse
Die Ausstellung bestehe aus den inhaltlichen Schwerpunkten: Weltnaturerbe, Faszination Forschung und Nachhaltigkeit. Dem Besucher des NEZ solle deutlich gemacht werden, warum es das Wattenmeer als Weltnaturerbe „in die Champions League der Naturlandschaften“ geschafft habe, erklärte Rahmel. Das Wattenmeer bestehe aus drei Ebenen: dem Luftraum, der Insel- und der Unterwasserwelt.

Diese Dreiteilung findet sich in der Dreigeschossigkeit des Gebäudes wieder: Ins Erdgeschoss kommt die Ausstellung „Wasser“ mit der Hafentechnik und einem Lichthof. Dem vorgelagert, wie eine ausgezogene Schublade, wird der gläserne Eingangsbereich mit Aquarien, Foyer, Kasse, Shop und einer Information stehen. Im ersten Obergeschoss wird es die Ausstellung „Land“ und die Büros geben, im zweiten Obergeschoss sind die Ausstellung „Luft“ und Zweckräume angedacht. Im Untergeschoss werden Zweckräume, ein Labor und die Toiletten untergebracht werden.

Fertigstellung Ende 2014
Im Spätsommer / Frühherbst werden die Bebauungspläne für das NEZ öffentlich zur Einsichtnahme ausliegen, so Stadtbaumeister Frank Meemken. Im Oktober dieses Jahres werde mit dem Abriss des alten Nationalpark-Hauses begonnen. Mit der Fertigstellung des NEZ wird im Dezember 2014 gerechnet.

„Champions League der Naturlandschaften“, 1.0 out of 5 based on 1 rating
VN:F [1.9.22_1171]
Bewertung: 1.0/5 (1 abgegebene Stimme)

Marktplatz Norderney

Zum Marktplatz