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Titelbild: Die Versorgung von Verletzten wurde praxisnah geübt. Fotos: Feuerwehr Norderney

(war) – Schreie, Stöhnen, Rufe und lautes Knacken von auseinander berstenden Blech hallten am Samstagmorgen über den Platz vor dem Feuerwehrgerätehaus.

Im Rahmen der 75. Tagung der Nordrheinischen Akademie für ärztliche Fort- und Weiterbildung gab es auch in diesem Jahr wieder einen praxisnahen Lehrgang für Ärzte im Rettungsdienst zu bewältigen. In Zusammenarbeit mit der „Schminktruppe“ des Arbeiter-Samariter-Bundes Münster (ASB) und der Freiwilligen Feuerwehr Norderney lernten 27 junge Mediziner, was in verschiedenen Notfallsituationen zu tun ist.

Die Mitglieder des ASB schminkten sich unterschiedliche Verletzungen an und stellten die Verunfallten lebensecht dar. So wurde ein Unfall in einen Chemielabor mit starker Rauchentwicklung mit Hilfe einer Nebelmaschine nachgestellt. Nachdem ein Atemschutztrupp der Feuerwehr die Personen ins Freie befördert hatte, mussten die Ärzte aus dem Rheinland die medizinische Erstversorgung sicherstellen. Erfahrene Doktoren schauten ihnen dabei über die Schulter. Die vermeintlichen Patienten hielten dabei aber nicht immer still.

Wie „im echten Leben“ schrien und strampelten sie panisch, wie es Personen unter Schockeinwirkung manchmal tun.
„Durch einen Notfall geraten die Menschen oft aus vollem Wohlbefinden in eine maximale Stress-Situation“, erklärte es Notfallmedizinerin Dr. Hella Körner-Goebel, Leiterin des Instituts für Notfallmedizin am Klinikum Wuppertal in einem Interview.

In einer anderen Station wurde ein Elektrounfall nachgestellt. Hier gilt es für die Notfallmediziner, den Eigenschutz zu beachten. Durch hohe Spannungen könnte er selbst in Lebensgefahr geraten.

Nach einem Autounfall muss zuerst die Feuerwehr technische Hilfe leisten, bevor es zu einer medizinischen Versorgung kommt. So rückten die Feuerwehrmänner mit dem hydraulischen Rettungsgerät einem alten Auto zu Leibe: Der Rettungsspreizer dient zum Auseinanderspreizen, beispielsweise von verklemmten oder deformierten Autotüren oder zum Wegdrücken von Wrackteilen. Er kann allerdings auch zum Zusammendrücken oder Anheben verschiedener Materialien benutzt werden. Die hydraulische Rettungsschere dient zum Durchtrennen einer tragenden Säule eines Fahrzeugs nach einem Verkehrsunfall, beispielsweise zum Abtrennen des Autodaches. Die „Verunfallten“ wurden derweil von den Ärzten und Feuerwehrmännern beruhigt, stabilisiert und mit einer Decke abgedeckt, damit sie nicht durch herumfliegende Glassplitter verletzt werden können.

Die Ärzte lernten in einer weiteren Station die richtige Lagerung von Patienten mit Becken- oder Rückenverletzungen.
„Die Norderneyer können stolz sein auf ihre Feuerwehr. Mit so viel Herzblut und Engagement werden wir hier betreut“ freute sich Dr. Hella Körner-Goebel, die diesen Kurs leitete. Die Ehefrau eines Feuerwehrmannes weiß wovon sie spricht, arbeitet sie in Wuppertal doch durch ihren Beruf ständig mit den Feuerwehren zusammen.

Nach dem Unterricht wurden alle Teilnehmer im Feuerwehrgerätehaus mit warmen Essen und kalten Getränken von der Feuerwehr freundlich bewirtet. Der Kurs erfreut sich, wie der Homepage der Akademie (www.akademie-nordrhein.de) zu entnehmen ist, jedes Jahr bei den Ärzten großer Beliebtheit.

Ärztetagung der Nordrheinischen Akademie: Unfälle wie im "echten Leben", 5.0 out of 5 based on 3 ratings
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